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08.07.2014 00:00 Alter: 5 yrs
Von: Der Neue Tag

Vorwurf: Stieftochter über Jahre missbraucht

35-Jähriger wegen mindestens 23 Fällen der sexuellen Nötigung vor Gericht - Angeklagter bestreitet Anschuldigungen


Weiden. (rns) Sind die Anschuldigungen der 16-Jährigen wahr? Oder ist alles nur eine Intrige der geschiedenen Frau des Angeklagten? Letzteres jedenfalls behauptet der 35-Jährige, der sich seit Montag wegen sexueller Nötigung einer Schutzbefohlenen vor der 1. Jugendkammer des Landgerichts zu verantworten hat.   Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Hans-Jürgen Schnappauf wirft den zuletzt in Schwandorf wohnhaften Mann vor, in den Jahren 2009 bis 2013 die Tochter seiner damaligen Frau mindestens 23 Mal sexuell genötigt zu haben, indem er sie an intimen Stellen anfasste. Einmal soll es sogar zu einem schweren Missbrauch gekommen sein. Das Mädchen hatte sich im Juli 2013 der Mutter anvertraut, die daraufhin die Polizei einschaltete. Aufgrund der Einschätzung einer Psychologin, wonach die Aussagen des Kindes glaubwürdig seien, wanderte der Stiefvater Anfang 2014 in Untersuchungshaft. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Christoph Scharf, beantragte zwar ein weiteres Gutachten, da er das von Diplom-Psychologin Daniela Amundsen (Regensburg) für "nicht ausgereift" hält. Dem entsprach das Gericht jedoch bisher nicht.   Wüste Drohungen   Mutter und Tochter wohnten damals im westlichen Landkreis Neustadt/ WN. Der Mann und die Frau, die Anfang 2005 geheiratet hatten, lebten bereits getrennt. Jedoch besuchte er immer wieder die Wohnung, welche die 50-Jährige mit ihrem Sohn und ihrer Tochter aus erster Ehe bezogen hatte. Zwar habe sie sich gewundert, wieso ihr Noch-Ehemann der Minderjährigen immer wieder 10 bis 20 Euro zusteckte, berichtete die Frau im Zeugenstand. Jedoch hätte sie niemals an "so etwas" gedacht. Auf Frage von Landgerichtspräsident Walter Leupold, ob es nicht vorstellbar sei, dass sie ihren Ex-Mann falsch beschuldigen könnte, antwortete sie: "Wenn ich ihn verräumen wollte, hätte ich das schon vor Jahren machen können, als er mich so verdroschen hat und vor den Kindern gedroht hat, dass er mir mit dem Döner-Messer den Kopf abschneidet."     In der Verhandlung am Montag kamen zahlreiche Zeugen zu Wort, die teils die eine, teils die andere Version der Parteien untermauerten. Ein Wohnungsnachbar und ein Kollege des Angeklagten bestätigten dessen Angaben, dass seine Frau ihn telefonisch terrorisiert habe und ihm mit "Fertigmachen" und "Abschiebung" gedroht habe, wenn er nicht zu ihr zurückkomme. Der 17-Jährige Bruder des mutmaßlichen Opfers berichtete, er habe mitbekommen, dass seine Mutter dem 35-Jährigen Vorhalte machte, wonach er "dem Mädchen etwas angetan" habe. Und dass der Mann ihr daraufhin 5000 Euro und sein Auto angeboten habe, wenn sie die Anzeige zurücknehme. Allerdings brachte eine frühere Lehrerin der 16-Jährigen auch zur Sprache, dass die Schülerin "introvertiert und ruhig, aber auch äußerst aggressiv" sei. Gerade im Vorfeld des Prozesses sei sie nicht ansprechbar gewesen und "geradezu bösartig" geworden, sagte auch die Mutter. Zudem hatte sich das Mädchen bei ihren Aussagen bei der Kriminalpolizei widersprochen.   Fortsetzung am Mittwoch   Am Mittwoch um 9 Uhr wird die Verhandlung fortgesetzt. Neben Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder kommen weitere Sachverständige zu Wort. Auch der SMS-Verkehr des Angeklagten wird unter die Lupe genommen. Anschließend werden die Plädoyers von Staatsanwalt Schnappauf, Nebenklagevertreterin Jutta Carrington-Conerly und Verteidiger Scharf erwartet.   Quelle: Der Neue Tag vom 08.07.14; Rubrik: Stadt Weiden