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< Arzt erwischt den falschen Fuß
02.10.2017 16:51 Alter: 1 year
Von: Der Neue Tag

Klage wegen kleinen Fingers

40-Jähriger fordert 15 000 Euro Schmerzensgeld vom Klinikum


Weiden. (rns) Eigentlich schien schon alles klar. Nach dem vorläufigen Gutachten von Professor Dr. Stefan Langer von der Universität Leipzig wäre die Operation am Klinikum Weiden „lege artis", also regelkonform, gewesen. Folglich wäre eine Schmerzensgeldforderung  für einen angeblichen ärztlichen Kunstfehler ins Leere gelaufen. Aber nach beharrlichem Nachbohren von Rechtsanwalt Christoph Scharf und langem Suchen von Langer musste dieser zugeben, dass zumindest bei einer der vielen Operationen eventuell keine „PEP", keine „perioperative Antibiotika-Prophylaxe", gemacht worden sein könnte. Zumindest ist sie nicht dokumentiert. Liegt jetzt doch ein „grober Behandlungsfehler" vor?

Der jetzt 40-jährige Kläger hatte sich im April 2014 an einer Glasscherbe geschnitten und dabei die tiefe Beugesehne des linken kleinen Fingers durchtrennt. Vier Tage später stellte er sich im Klinikum vor. Die Sehne wurde operiert, ein Silikonstab eingebracht. In der Folge kam es zu Infektionen. Der Silikonstab wurde in Regensburg entfernt.

Die Wunde heilte nicht wie erhofft. Nun, Jahre später, klagt der Mann aus dem Altlandkreis Vohenstrauß über Bewegungseinschränkungen. Noch immer kann er den kleinen Finger nicht beugen und die Hand nicht ballen. Die OP sei nicht fachgerecht ausgeführt worden. Bei seinen Vorerkrankungen wären besondere Therapiemassnahmen vorzusehen gewesen, brachte er vor. Daher klagte er mithilfe der Kanzlei Schulze auf 15 000 Euro Schmerzensgeld. Anwalt Carl Brünnig hielt namens der Beklagten dagegen, dass - wie Langer bestätigt hatte - die OP indiziert gewesen sei und die Behandlung fachgerecht erfolgt war.

Auch angesichts der verschiedenen Abhängigkeitserkrankungen des Klägers seien keine anderen Maßnahmen angezeigt gewesen. Außerdem habe er sich erst vier Tage nach seiner Verletzung in ärztliche Behandlung begeben. Brünnig sah, nach Vorgabe der Versicherung der Beklagten, keinen Raum für einen Vergleich. Bis die Sache mit der „PEP" aufkam.

Ihre liebe Not hatten die Richter Victor Mihl, Thomas Hys und Matthias Bauer damit, Informationen über die Wichtigkeit und medizinische Notwendigkeit einer „PEP" zu bekommen. Langer, Spezialist für Handchirurgie, berichtete, dass etwa 50 Prozent derartiger Operationen sowieso nicht den gewünschten Erfolg brächten. Ohne Antibiotika-Gabe sei der Prozentsatz noch etwas schlechter. Trotzdem sei am Uniklinikum Leipzig geplant, künftig nicht mehr routinemäßig Antibiotika zur Prophylaxe zu geben. Zurzeit würde er aber eine versäumte Gabe als „mittelschweren Fehler" bezeichnen.

Sehnenchirurgie sei ein sehr schweres Gebiet. Die Infektion des Implantats infolge fehlender „PEP", und die dadurch nötig gewordene Entfernung könnten durchaus für die Bewegungsunfähigkeit des Fingers verantwortlich sein. Brünnig wird nun das Narkoseprotokoll der betreffenden Operation einholen, beider die Antibiotika-Gabe fraglich ist. Unter Umständen sagt dieses aus, dass sie doch erfolgt ist. oder es springen am Ende doch „ein paar Euro" für den Kläger heraus.   Quelle: Der Neue Tag vom 02.10./03.10.2017; Rubrik: Stadt Weiden