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22.10.2017 14:53 Alter: 1 year
Von: Rechtsanwalt Christoph Scharf

Schmerzensgeld nach einem Verkehrsunfall

Die Geltendmachung von Personenschäden


Die Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen werden immer sicherer. Leider bleiben jedoch sowohl körperliche, als auch psychische Schäden bei Verkehrsunfällen nicht aus. Den Verursacher trifft die Verpflichtung die Schäden des Geschädigten auszugleichen, wie beispielsweise die Kosten einer Heilbehandlung, Verdienstausfall, Erwerbsminderung, aber auch den so genannten immateriellen Schaden, das Schmerzensgeld. Das Schmerzensgeld erfüllt eine sogenannte Ausgleichsfunktion ferner eine Genugtuungsfunktion und zwar dahingehend, dem Geschädigten Genugtuung zu gewähren, für das, was dieser ihm durch den Unfall angetan hat. § 253 BGB regelt, dass dem Geschädigten eine „billige Entschädigung in Geld" zu zahlen ist. Das Gesetz bietet keine Vorgaben, was im jeweiligen Einzelfall als billig anzusehen ist. Hierdurch entfacht regelmäßig bei der Geltendmachung von Schmerzensgeldsansprüchen zwischen dem Geschädigten und dem Schädiger ein Streit über die Höhe der zu zahlenden Entschädigung. Für welche Verletzungen konkret welcher Betrag zu zahlen ist, lässt sich meist nicht abschließend klären. In der Praxis werden ergangene Vergleichsurteile zur Einordnung und Bemessung der Schmerzensgeldhöhe herangezogen. Aufgrund der Individualität der verletzten Personen, der Verletzungen als solcher und der jeweiligen Auswirkung für den Geschädigten lässt sich eine Einordnung mit sog. Schmerzensgeldtabellen meist nicht durchführen. Sie dienen lediglich als Orientierungshilfe. Wichtiger ist es in der Praxis Kriterien zur Bestimmung der Schmerzensgeldhöhe heranzuziehen und zwar wie folgt: Umfang der unmittelbaren Verletzungen, wie Knochenbrüche, Fleischwunden etc.; Dauer einer Erkrankung bzw. Arbeitsunfähigkeit; psychische oder soziale Folgen und Dauer der Auswirkungen; mögliche Folgeschäden und bleibende körperliche Beeinträchtigungen; Grad der Behinderung. Nur unter Berücksichtung all dieser einzelnen Faktoren in der jeweiligen Ausprägung lässt sich die Einordnung der Höhe des Schmerzensgeldanspruches vornehmen. Stets ist die individuelle Situation des Betroffenen zu berücksichtigen, wobei sich soziale Folgen stärker auswirken können, als die eigentliche Verletzung, was in Einzelfällen auch zu einer Schmerzensgeldrente, die monatlich zu zahlen ist, führen kann. Die Haftpflichtversicherungen versuchen den Schaden so kostengünstig wie möglich zu regulieren und zahlen nur das, was sich nicht vermeiden lässt. Dies führt häufig bei den Fällen des „Schleudertraumas" dazu, dass überhaupt keine Zahlungen mehr geleistet werden, da die Diagnose oftmals nicht aufgrund objektivierbarer Tatsachen, sondern aufgrund der subjektiven Schilderungen der Geschädigten gestellt wird. Es ist daher wichtig, bei der Geltendmachung der Ansprüche alle relevanten Umstände im Blick zu behalten und diese an die gegnerische Kfz-Versicherung heran zu tragen, um im Ergebnis eine „billige Entschädigung in Geld" zu erhalten. Christoph Scharf Rechtsanwalt, auch Fachanwalt für Medizinrecht Veröffentlichung: "Der Neue Tag" Rubrik Recht im Alltag: Verkehrsrecht - Ausgabe 21/22.10.2017