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04.11.2018 14:52 Alter: 41 days
Von: Christoph Scharf

"Routenplaner" für VW-Geschädigte

Jurist Christoph Scharf erklärt im Interview, welche Möglichkeiten Betroffene des Diesel-Skandals haben


Die Frist läuft. Zum 31. Dezember verjähren Ansprüche gegen die Volkswagen AG. Was müssen Geschädigte tun, die in letzter Minute doch noch Schadenersatz erstreiten wollen? Anwalt Christoph Scharf beantwortet die wichtigsten Fragen für Verbraucher. ONETZ: Wer kann denn überhaupt klagen? Christoph Scharf: Besitzer von Autos mit EA 189-Dieselmotor, und zwar sowohl 1,2-, 1,6-, als auch 2,0-Liter-Aggregate. Betroffen ist insbesondere VW, aber auch Audi, Seat, Skoda. ONETZ: Wie lange ist noch Zeit? Ansprüche gegen die VW AG verjähren zum 31. Dezember 2018. Bis dahin müssen sie gerichtlich geltend gemacht werden. ONETZ: Bisher war dies nur über den Weg einer Individualklage möglich. Welche Bedeutung hat die neue Musterfeststellungsklage? Diese neue Klageart stellt lediglich fest, ob ein Anspruch „dem Grund nach“ gegeben ist. Danach muss jeder Kunde die Höhe des Schadens eigenständig geltend machen, möglicherweise wieder mit einer Einzelklage durch die Instanzen. Das Verfahren kann damit deutlich länger dauern als bei einer Individualklage. ONETZ: Wem bringt die Musterfeststellungsklage dann überhaupt etwas? Interessant ist sie sicherlich für Geschädigte, die keine Rechtsschutzversicherung haben. Es entstehen keine Kosten. Anstatt überhaupt nicht tätig zu werden und sich später zu ärgern, scheint es durchaus angezeigt, sich anzuschließen. Für Kunden mit Rechtsschutz ist aus meiner Sicht die direkte Einzelklage der deutlich effizientere Weg. ONETZ: Wie lange dauert voraussichtlich eine Musterfeststellungsklage? Das ist nicht abzuschätzen, aber man kann durchaus von drei bis vier Jahren ausgehen. Wenn zum 1. November 2018 die erste Klage eingereicht ist, können sich zwei Monate lange Kunden anschließen. 2019 beginnt dann das Verfahren beim Oberlandesgericht. Eine zweite Instanz beim Bundesgerichtshof ist möglich. Theoretisch ist auch möglich, dass VW nach Abschluss des Verfahrens von sich aus zur Schadensregulierung auf die Kunden zugeht. ONETZ: Was ist, wenn ich mein Auto updaten habe lassen: Bin ich raus? Nein, auch nach einem Update ist noch eine Klage möglich. Den Besitzern wird inzwischen die Stilllegung des Fahrzeugs angedroht, weshalb sie keine andere Wahl haben. ONETZ: Was meinen Sie: Wäre ein System wie in den USA – eine pauschale Entschädigungszahlung – nicht gerechter? Meines Erachtens nicht. Die Rechtssysteme sind überhaupt nicht vergleichbar. Und selbst im Fall einer pauschalen Zahlung an alle wäre eine Vielzahl von Kunden unzufrieden. Nicht jeder Fall ist gleich, allein schon aufgrund des Kaufpreises. Gerecht wäre es eventuell im Hinblick auf finanziell Schwache und nicht Rechtsschutzversicherte. Ihnen wird in Deutschland ein hohes Prozessrisiko auferlegt. Das schreckt viele ab. VW zahlt ohne gerichtliches Verfahren keinen Cent. ONETZ: Wie ist Ihr Eindruck: Fallen die Entscheidung eher pro Kunde oder eher pro VW/VW-Händler aus? Aktuell für Weiden gesehen wohl eher pro Kunde. In den mir bekannten Verfahren sind in der letzten Zeit diverse Urteile zugunsten der Geschädigten verkündet worden. Quelle: "Der Neue Tag", Thema ses Tages, Ausgabe 03/04.11.2018 https://www.onetz.de/oberpfalz/weiden-oberpfalz/routenplaner-fuer-vw-geschaedigte-id2538206.html