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03.11.2018 15:05 Alter: 42 days
Von: Christoph Scharf

VW-Besitzer müssen Gas geben

Die Frist läuft. Zum 31. Dezember verjähren Ansprüche gegen die Volkswagen AG. Was müssen Diesel-Fahrer tun, die in letzter Minute noch Schadenersatz erstreiten wollen? Für sie gibt es zwei Möglichkeiten.


https://www.onetz.de/oberpfalz/oberpfalz/vw-besitzer-muessen-gas-geben-id2538210.html       Das galt bisher: Während in den USA eine pauschale Entschädigung ausbezahlt worden ist, muss in Deutschland jeder Geschädigte selbst klagen. 103 solcher Individualklagen gegen die VW AG sind seit 2015 beim Landgericht Weiden eingegangen (ohne die Klagen gegen Autohäuser). Auch am Landgericht Amberg kämpft man längst mit einem dreistelligen Klage-Berg: Schon zu Jahresanfang 2018 lagen dort schon fast 75 Klagen gegen Vertragshändler und die VW AG vor. Immer mehr pro Kunde Es geht mal so, mal so aus. In Weiden sind bisher 16 Verfahren erledigt, informiert Landgerichtssprecher Markus Fillinger. Sieben Mal wurde VW verurteilt. Fünf Mal verlor der Kunde. In zwei Streitverfahren erfuhr der Außenstehende nie, wie es ausging, weil die Klagen zurückgenommen wurden. Manchmal reicht VW in letzter Minute die Hand zum Vergleich. "Es ist bekannt, wie hart die Geschädigten kämpfen müssen, um ihre Rechte durchzusetzen", sagt der Weidener Anwalt Christoph Scharf. Er hat im jüngsten Weidener VW-Prozess einen Touran-Besitzer aus dem Landkreis Neustadt/WN vertreten. Auch hier bot VW eine Woche vor Verhandlungstermin außergerichtliche Verhandlungen an, auf die Scharf aber nicht einging. Umso mehr freut ihn das Urteil des Landgerichts, das ganz klar pro Kunde ausfiel: "Das Urteil spricht eine deutliche Sprache." "Größter Industrie-Skandal" Richter Peter Werner sah VW in der Haftung wegen "vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung". Der VW-Vorstand habe in "Bereicherungsabsicht" gehandelt. Man sei offensichtlich nicht in der Lage gewesen, die strengen Euro-5-Norm-Abgaswerte einzuhalten. "Um gleichwohl millionenfach ihre Dieselmotoren verkaufen zu können, entschied man sich für die illegale Manipulation". Der Richter nennt es den "größten Industrie-Skandal der Nachkriegszeit". Die Argumente von VW, man habe den Mangel mit dem Update behoben und das Auto sei uneingeschränkt nutzbar, ließ er nicht gelten. Abgesehen von "ungeklärten Fragen" hinsichtlich des Updates ändere dies nichts am Minderwert des Wagens auf dem Gebrauchtmarkt. Das Urteil: VW zahlt an den Kunden 12000 Euro gegen Herausgabe des Touran. Der Neupreis lag 2011 bei 24000 Euro. Der Störnsteiner hatte vor Gericht das Prospekt dabei, in dem stand, wie umweltschonend und von welch "intelligenter Technologie" der neue "Blue Motion" sei. Wie sich richtig verhalten? Brandneu, seit 1. November, gibt es in Deutschland die Möglichkeit für eine Musterfeststellungsklage. Der Bundesverband der Verbraucherzahlen hat das postwendend genutzt. Er hat eine Musterfeststellungsklage gegen die Volkswagen AG eingereicht. In etwa 14 Tagen soll es so weit sein: Ab dann können sich zwei Monate lang Betroffene des Diesel-Skandals anschließen. Dazu müssen sie sich - kostenlos und ohne Anwalt möglich - beim Bundesamt für Justiz in das Klageregister eintragen. Aus Sicht von Anwalt Scharf "bleibt zu hoffen, dass das Register rechtzeitig erstellt, die Anmeldung ermöglicht wird und dass es keine Pannen gibt". Er warnt vor übersteigerten Hoffnungen: Selbst wenn die Verbraucherzentralen gewinnen und dem Kunden Schadenersatz zugesprochen wird, wird zunächst kein Geld fließen. Jeder Geschädigte müsste sich seine Entschädigung immer noch selbst erstreiten. Und es könnte Jahre dauern, bis es soweit ist: Gegen das Urteil über die Musterfeststellungsklage ist Revision zum Bundesgerichtshof möglich. Schnell würde es nur in einem Fall gehen: Wenn VW sich auf einen Vergleich einlässt. Davon ist laut Deutscher Presseagentur nicht auszugehen: VW räumt der Klage wenig Chancen. Quelle: "Der Neue Tag", Thema des Tages, Ausgabe 03/04/2018, von Christine Ascherl       https://www.onetz.de/oberpfalz/oberpfalz/vw-besitzer-muessen-gas-geben-id2538210.html