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20.07.2012 00:00 Alter: 10 yrs
Von: Der Neue Tag

Noch die letzten Pulsschläge gespürt

Die Mutter des Mordopfers Stephanie S. sagt als Zeugin aus - Leben der Familie auf den Kopf gestellt


Vohenstrauß. (ms) Nichts ist mehr wie es war. Der Mord an Tochter Stephanie am 11. November 2011 hat das Leben der Vohenstraußer Familie total auf den Kopf gestellt. Bist auf den Vater sind alle in ärztlicher Behandlung. Erschütternd lauschten die Zuhörer, aber auch Richter, Anwälte, Staatsanwälte und Gutachter im Weidener Schwurgerichtssaal dem Ausführungen von Stephanies Mutter. Sie schilderte, wie ihr im Juli 2011 die alleinerziehende Tochter erstmals von Alexander S. erzählt hatte. Sie hätten sich im Internet beim Chatten kennengelernt. Der 22-jährige aus Bad Hersfeld habe Stephanie in Vohenstrauß besuchen wollen. Auf Wunsch der Tochter holte die Zeugin den jungen Mann vom Bahnhof in Weiden ab. Nach einem ersten Beschnuppern bat Stephanie ihre Mama, sie möge sich den Verehrer doch einmal anschauen. Dies geschah bei einem eineinhalbstündigen Kaffeeplausch in der elterlichen Wohnung. Der Gast habe sehr offen über sich erzählt, unter anderem, dass er im Hein aufgewachsen sei. Kein Sex Ihre Tochter habe schon damals gespürt, dass mit diesem Hessen etwas nicht stimmt. Mit dem „Spinner" und „Psycho" wollte sie nichts zu tun haben, sagte die Mutter vor Gericht weiter aus. Der Besuch sei dann auch abgekürzt worden. Zu sexuellen Beziehungen, die der Verehrer wollte, war es nach den Aussagend mehrerer Zeugen offenbar nicht gekommen. Auf die ablehnende Haltung Stephanies reagierte der Verschmähte heftig. Er bombardierte sie mit Anrufen und Kurzmitteilungen, drohte immer wieder mit Selbstmord - bis zu 100 Mal. Daraufhin beklagte sich die Familie bei der Polizei in Bad Hersfeld. Die Beamten meldeten sich prompt am nächsten Tag zurück, gaben an, sie hätten mit dem 22-jährigen geredet und versprachen: „Der macht jetzt nichts mehr". Wie falsch diese Einschätzung war, zeigte sich einige Zeit später. Wie vom Donner gerührt sei die Familie gewesen, als ihr plötzlich der Hesse in Vohenstrauß über den Weg lief. Er habe den Kopf eingezogen und sie davongelaufen. Nun sei die Verfolgerei losgegangen, erinnerte sich die Mutter, die zu dieser Zeit mit der Eröffnung einer eigenen Heilpraktikerpraxis beschäftigt war. Daraus ist bis heute nichts geworden. Alexander sei ums Haus geschlichen und habe durchs Fenster in die Wohnung der Tochter geschaut, erzählte die Frau. Daraufhin habe sie ihn angesprochen, er solle sich woanders eine Freundin suchen. Einmal sei sie in ihrer Verzweiflung sogar aus dem Auto gesprungen und habe den Lageristen angeschrieen: „Geh weg, du hast hier nichts verloren. Stephanie will dich nicht!", sagte die Mutter, die andeute, früher selbst schon ähnliche Erfahrungen gemacht zu haben. Anfang November eskalierte die Situation. Am 1. November erstattete der Hesse Anzeige bei der Polizeiinspektion Vohenstrauß. Stephanie würde ihn belästigen. Daraufhin wandte sich auch Stephanie an die Dienststelle. Mit der Reaktion der Beamten war die Familie nicht zufrieden. Sie sollen gesagt haben, dass Stephanie erst einmal erwachsen werden solle. Am 3. November fuhr man daher zur Kripo nach Weiden, erstattete Anzeige wegen Stalkings und schaltete einen Privatdetektiv ein. Die Tochter noch gewarnt Am 4. November, am Nachmittag, fuhr die Mutter mit Stephanie noch nach Weiden, um einige Sachen für deren zweieinhalbjährige Tochter einzukaufen. Anschließend ließ sie Stephanie vor ihrer Wohnung in der Prager Gasse aussteigen und warnte sie eindringlich, die Türen zu öffnen. Kurz nach 18 Uhr bekam die Frau einen Anruf von der Wohnungsvermieterin ihrer Tochter: Sie solle schnell kommen, es sei etwas Schlimmes passiert. „Ich habe noch Stephanies letzte Pulsschläge gefühlt", berichtete sie unter Tränen. Die kleine Enkelin, die jetzt bei der Oma aufwächst, habe mit zusehen müssen, wie ihre Mama getötet wurde. Das Kind sei in psychologischer Behandlung. Es zeige immer wieder einmal mit den Armen, wie der Täter auf Stephanie eingestochen habe. Die Mutter kann den Tod ihrer Tochter immer noch nicht richtig fassen. Stephanie  sei nach einer schwierigen Phase auf einem so guten Weg gewesen. Sie habe den Führerschein gemacht, sei in Neustadt auf die Hauswirtschaftsschule gegangen und sei sogar Klassensprecherin gewesen. „Sie hatte wieder richtig Mut gefasst". Der Prozess wird heute 9.00 Uhr am Landgericht Weiden mit weiteren Zeugenvernehmungen fortgesetzt.   Quelle: Der Neue Tag vom 20.07.2012, Rubrik: Stadt Weiden/Vohenstrauß