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26.07.2012 00:00 Alter: 10 yrs
Von: Der Neue Tag

Stalker muss 13 Jahre hinter Gitter

Urteil nach Mord an junger Mutter in Vohenstrauß - Täter wird zudem in Psychiatrie untergebracht


Weiden. (rns) Mit 13 Jahren Freiheitsstrafe sühnte die 1. Schwurgerichtskammer des Weidener Landgerichts den Mord an der 21-jährigen Schülerin Stephanie Sch. aus Vohenstrauß. Alexander S. hatte die junge Mutter wochenlang mit SMS und Anrufen traktiert und war tage- und nächtelang in der Nähe ihrer Wohnung herumgeschlichen. Aus verschmähter Liebe hatte er die Alleinerziehende am 4. November mit vier Messerstichen in den Oberschenkel und den Hals getötet. Oberstaatsanwalt Gerhard Heindl hatte eine Verurteilung zu 15 Jahren wegen Mordes gefordert. Es sollte nicht lebenslänglich verhängt werden, da eine Persönlichkeitsstörung vorliege, die der Angeklagte nicht selbst verschuldet hatte. Angaben im Gefängnis Rechtsanwalt Dr. Burkhard Schulze, der die Angehörigen der Getöteten als Nebenkläger vertrat, schloss sich dem an. In brutaler, bestialischer Weise sei ein junges Leben ausgelöscht worden. Nichts sei für die Familie des Opfers mehr, wie es einmal gewesen war, betonte Dr. Schulze. Landgerichtspräsident Walter Leupold sowie die Richter Dr. Marco Heß und Markus Fillinger folgten nicht den mehrfach abgeänderten Aussagen des ledigen Lageristen zu seiner Tat. Am glaubhaftesten seien seine Angaben gewesen, die er gegenüber drei Zellengenossen in der Justizvollzugsanstalt gemacht hatte. Diese hatten die Bluttat zusammen mit ihm nachgestellt und ihn danach sogar ein Protokoll unterschreiben lassen. Verteidiger Hubertus Werner (Deggendorf) hatte in einem einstündigen Plädoyer das Gericht davon zu überzeugen versucht, dass sein Mandant das Tatwerkzeug eingesteckt habe, um vor dem jungen Mädchen demonstrativ Selbstmord zu begehen. Eine plötzliche Gefühlsaufwallung, die ihn überkommen habe, als alles über ihm zusammengebrochen sei, habe ihn dazu bewegt, zuzustechen. Dies sei der klassische Fall eines Totschlags, keines Mordes, so Werner. Für diesen Totschlag sei auch nicht die Höchststrafe zu verhängen, da es Milderungsgründe gebe: das Fehlen von Vorstrafen, Reue und eine erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit zum Tatzeitpunkt wegen einer Borderline-Störung. Frühe Störungen Professor Dr. Norbert Nedopil von der Universität München hatte in einem zweieinhalbstündigen Gutachten diese Persönlichkeitsstörung aus dem Lebensweg des 23-jährigen erklärt. Als Acht-Monats-Kind, dessen Mutter während der Schwangerschaft geraucht und getrunken habe, sei er ein Spätentwickler gewesen. Schon im Kindesalter sei er durch Tierquälerei und Gewalt gegen Sachen aufgefallen, weshalb er als Fünfjähriger in die Psychiatrie kam. Später wuchs der leicht unterdurchschnittlich Intelligente in Bad Hersfeld bei einer Pflegemutter auf. Nedopil empfahl die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus, was die Richter anordneten.   Quelle: Der Neue Tag vom 26.07.2012, Rubrik: Stadt Weiden/Vohenstrauß