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10.04.2014 00:00 Alter: 9 yrs
Von: Der Neue Tag

13-Jährige leidet bis heute

Waldsassen: Anklage lautet auf versuchten Mord


Weiden/Waldsassen. Der Prozess gegen den 14-jährigen Jungen, der im Oktober 2013 in Waldsassen eine Türkin schwerstverletzt hat, beginnt Ende April. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen versuchten Mordes erhoben. Vor der Jugendkammer des Landgerichts sind vier Verhandlungstage im April und Mai geplant. Es handelt sich um ein nichtöffentliches Verfahren. Das 13-jährige Mädchen wird möglicherweise überhaupt nicht im Gerichtssaal erscheinen. Die Justiz in Weiden hat zuletzt in vergleichbaren Fällen die Möglichkeit der Videokonferenz genutzt.   Da es sich im vorliegenden Fall um ein Verbrechen gegen das Leben und die körperliche Unversehrtheit handelt und das Opfer seelisch und körperlich schwer geschädigt ist, ist ausnahmsweise auch im Jugendstrafverfahren eine Nebenklage zugelassen. Die Familie der 13-Jährigen hat sich dazu entschieden. Als Nebenkläger hat das Opfer im Prozess ganz andere Rechte, als wenn es "nur" als Zeuge gehört würde. Darunter fällt beispielsweise die Einsicht in sämtliche Akten oder auch das Recht, Fragen und Beweisanträge zu stellen. Das Gericht hat auf Antrag der Familie den Weidener Rechtsanwalt Dr. Burkhard Schulze als Beistand bestellt.   Schulze nahm am Mittwoch nach Absprache mit der Familie kurz Stellung zum gesundheitlichen Zustand des Mädchens: "Sie leidet an den körperlichen Folgen, und besonders hat sie dieses Geschehen auch seelisch noch nicht verkraftet." Die Schülerin ist bis heute nicht in der Lage, am Schulunterricht teilzunehmen, und wird psychologisch betreut. "Sie hat große Probleme, sich frei im Ort zu bewegen und außer Haus zu gehen." Nicht gerade zur Entspannung trägt bei, dass die Familie des Angeschuldigten ebenfalls in Waldsassen wohnt. Der 14-Jährige selbst befindet sich seit sechs Monaten in Untersuchungshaft.   Dazu kam für die türkische Familie im Februar mit dem Herztod des erst 51-jährigen Vaters ein weiterer Schicksalsschlag. Zur Seite stehen dem Mädchen die Mutter und zwei erwachsene Schwestern. Schulze: "In der Familie des Opfers ist bis heute keine Normalität eingetreten."   Die Achtklässlerin war von den Eltern am 8. Oktober als vermisst gemeldet worden, als sie abends nicht nach Hause kam. Halb Waldsassen suchte mit, bis Angehörige das Mädchen fünf Stunden später mehr tot als lebendig in einer aufgelassenen Fabrikhalle fanden. Laut Ärzten war kaum ein Knochen im Gesicht des Mädchens heil geblieben. Die Rede ist von multiplen Gesichtsfrakturen, Schädelbasisfrakturen, gebrochenem Kiefer, dem Verlust von Zähnen, zertrümmertem Nasen- und Jochbein, dazu Schnittwunden. Der Angeschuldigte soll ihr die Verletzungen mit einem Stein und einer abgebrochenen Flasche zugefügt haben.   Eine zentrale Frage der Verhandlung wird sein, was den Gewaltausbruch des Schulkameraden ausgelöst hat. Das Mädchen wird als freundlich und zurückhaltend charakterisiert. Das Gesetz sieht als höchste Jugendstrafe zehn Jahre Haft vor.     Quelle: Der Neue Tag vom 10.04.14; Rubrik: Stadt Weiden/Waldsassen