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27.03.2014 00:00 Alter: 9 yrs
Von: Der Neue Tag

Schlag im Unterricht

Neuntklässler reißt das Trommelfell- "Schulunfall": Kein Schmerzensgeld


Weiden/Pirk. (ca) Es war Stundenwechsel in der neunten Klasse an der Pirker Mittelschule. 11.20 Uhr. Das nächste Fach: Religion. Ein Film sollte gezeigt werden. Den Leerlauf nutzte ein 15-Jähriger aus der letzten Reihe, um einem Schüler in der ersten Reihe einen Schlag auf den Kopf zu verpassen. Der Neuntklässler erlitt dabei ein Loch im Trommelfell. Seine Eltern klagten auf Schmerzensgeld in Höhe von 10 000 Euro - und haben jetzt vor der 1. Zivilkammer des Landgerichts verloren.   Begründung des Richters Viktor Mihl: Rangeleien und in der Folge auch Verletzungen seien "durchaus schülertypisch" und als Schulunfälle zu bewerten. Um Haftungsansprüche geltend zu machen, müsse der Vorsatz vorliegen, den anderen ernsthaft zu verletzen. Einen solchen Vorsatz sah der Richter nicht: "Es lassen sich keine Anhaltspunkte dafür finden, dass der Beklagte besonders heftig zugeschlagen hat." Mihl schloss sich damit den Argumenten von Verteidiger Tobias Konze an. Die Jugendlichen seien "nicht die besten Freunde" gewesen. "Aber mein Mandant hat eine derartige Verletzung nicht beabsichtigt", so Konze. Der 15-Jährige habe den Mitschüler mit der flachen Hand in den Nacken schlagen wollen. Dabei habe sich dieser etwas bewegt, so dass er das Ohr traf.   Die "coole Gang"   Von der Klägerseite vertreten durch Dr. Burkhard Schulze, hörte sich das anders an. Der Täter habe zur "coolen Gang" der Klasse gehört. Beinahe täglich habe er dem späteren Opfer das Federmäppchen weggenommen und versteckt. Auch an besagtem Tag ging es um das Federmäppchen. Der Schlag traf den Neuntklässler von hinten, völlig unerwartet. Um nicht als "Petze zu gelten, habe er der Lehrerin nichts davon gesagt. Erst als er eine Stunde später seine Mutter in der Aula traf, die zur Sprechstunde in der Schule war, rückte er mit den Schmerzen im Ohr heraus.   Ein Hals-Nasen-Ohrenarzt in Weiden stellte eine Trommelfellperforation fest. Es kam zu Komplikationen beim Heilungsverlauf. In der Folge musste der Schüler zweimal operiert werden. Unter anderem wurde er eine Woche lang an der Uniklinik Regensburg stationär behandelt. Dabei musste ein Knorpel entfernt werden. Laut Eltern hat ihr Kind einen dauerhaften Hörverlust erlitten.   Der Vorfall ereignete sich am 16. Januar 2013. In einem Strafverfahren im letzten Jahr verurteilte Jugendrichter Otmar Schmid den 15-Jährigen wegen Körperverletzung zu 16 Arbeitsstunden. Im Oktober reichten die Eltern die Zivilklage wegen Schmerzensgeld ein. Jetzt fiel das Urteil am Landgericht. Noch ist nicht aller Tage Abend: Die Eltern des Verletzten können Berufung am Oberlandesgericht einlegen.   Quelle: Der Neue Tag vom 27.03.14; Rubrik: Stadt Weiden/Pirk